24. April 2018 - 14.00 Uhr 

Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf 2018

„Der Meisterbrief – Wertpapier unserer Wirtschaft und Gesellschaft“

Andreas Ehlert ist seit 2014 Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. Foto: Heike Herbertz
Andreas Ehlert ist seit 2014 Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. Foto: Heike Herbertz
Die Meisterausbildung behauptet an Rhein, Ruhr und Wupper Jahr für Jahr ihre Position als bedeutendste Führungsqualifikation im gewerblichen Mittelstand. Kein anderer beruflicher Fortbildungsabschluss zählt mehr Absolventen als die Meisterschulen des Handwerks. Im Bezirk der Handwerkskammer Düsseldorf haben im vergangenen Jahr erneut rund 1000 Handwerkerinnen und Handwerker „ihre“ Meisterprüfung abgelegt und bestanden.

Seit vielen Jahren hält sich das Interesse an der Top-Qualifikation im Handwerk nun schon beständig auf gleichem Niveau. Übrigens auch das Interesse der Absolventen an einer späteren Unternehmensgründung und an einer Weitergabe des erworbenen Wissens an den künftigen Nachwuchs in den 130 Berufen unseres Sektors. Das alles ist überaus wertvoll: für die erfolgreichen Absolventen. Für eine Volkswirtschaft „in Arbeit“. Für die funktionierende Qualifizierungskette vom Auszubildenden bis zum Arbeitgeber, die das Wesensmerkmal des Handwerks ist.

Wertvoll ist dieser einzigartige Qualifikationsweg aber auch für das Miteinander in unserer Gesellschaft. Denn Meister sind nicht nur nicht nur Verantwortungsträger in ihren Unternehmen, sondern sie sind in ihrer großen Mehrzahl engagiert in Initiativen und Verbänden, im Sport- und im Kulturleben vor Ort. Und das in aller Regel sogar mehrfach.

Insofern ist eine bestandene Meisterprüfung nicht nur ein Erreichen der Sphäre besonderen Könnens und Leistungsvermögens, sondern auch ein Ankommen im sozialen Gefüge einer Stadt oder Gemeinde; auch dort in prägender Funktion. Das handwerkliche Selbstverständnis von „Leistungselite“ ist sogar ein Dreifaches: als Meister sein Produkt, sein Geschick und sein Umfeld selbst gestalten zu können.


„Kein anderer beruflicher Fortbildungsabschluss zählt mehr Absolventen als die Meisterschulen des Handwerks.“ 

Teilzunehmen und andere teilhaben zu lassen – dieser unternehmende, „unternehmerische“ Blick auf die Wirklichkeit ist in Zukunft in neuer Weise gefragt. Denn die gegenwärtige datentechnologische Revolution macht es viel einfacher, umgekehrt auch stark von den Ideen und Erkenntnissen anderer – vieler anderer – zu profitieren, als Wissen zu gewinnen und produktiv einzusetzen. Als Bauunternehmer beispielsweise, der alle Beteiligten eines Bauvorhabens an einem gemeinsamen Informationsstrang zusammenführt. Die Digitalisierung ist eine große Chance für das Handwerk. Gerade, weil sie an der hochstehenden Qualifikation seines Fach- und Führungspersonals, an der Meisterausbildung, andocken kann.

Im Rahmen der 69. Zentralen Meisterfeier am Sonntag in der Stadthalle in Düsseldorf wird die neueste Generation dieses besonderen Typs von Könnern und Machern ihre Urkunden in Empfang nehmen. Es gibt keine größere Freude für den Präsidenten einer Handwerkskammer, als diesen neuen Meisterjahrgang kennenzulernen, ihn zu seinem Erfolg zu beglückwünschen, und ihm Mut zuzusprechen, seiner Bestimmung zu folgen.

Von Andreas Ehlert,
Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf


979 neue Handwerksmeister für das Land

Morgen werden die Absolventen in der Stadthalle geehrt. Festredner ist Minister Andreas Pinkwart.

An der Düsseldorfer Meisterschule, der größten in der Republik, bestanden im vergangenen Jahr 979 Handwerkerinnen und Handwerker in 31 Meisterberufen eine Meisterprüfung - drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der „Meister“ als Königsdisziplin der beruflichen Bildung bestätigt damit nach wie vor seine Bedeutung als Führungsqualifikation im Mittelstand..

„Seit 15 Jahren pendelt die Zahl der Meisterabsolventen im Kammerbezirk stabil um die 1000. Ungeachtet der immer kleiner werdender Alterskohorten im typischen Meister-Alter zwischen 23 und 33 und einem ungebrochenen Run auf die Hochschulen und in immer mehr Studiengänge hat die Meisterfortbildung ihren Rang als klassischer Weg der Aufstiegsfortbildung für Handwerker glänzend verteidigt“, ordnete der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf Andreas Ehlert die Entwicklung beim klassischen Spitzenabschluss des Berufsbildungswesens in Deutschland ein.

766 männliche und 213 weibliche Nachwuchs-Führungskräfte werden morgen Mittag in der Düsseldorfer Stadthalle die begehrten Urkunden in Empfang nehmen. 20 von ihnen erhalten als jahresbeste Prüflinge ihren Meisterbrief auf offener Bühne. Zur 69. Düsseldorfer Meisterfeier werden morgen 3000 Teilnehmer erwartet – und Landesminister für Wirtschaft, Industrie, Digitalisierung und Energie Professor Andreas Pinkwart als Festredner.

Jeder zweite Jungmeister will sich selbstständig machen

Eine Umfrage der Kammer unter allen Absolventen bestätigt einmal mehr auch die herausragende Stellung der Meisterfortbildung als Unternehmerschule: Annähernd jeder zweite Jungmeister will nach eigenen Angaben einen Betrieb gründen oder übernehmen oder hat diesen Schritt bereits vollzogen. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Wiederholte Umfragen über mehrere Prüfungsjahrgänge hinweg lassen im Übrigen erkennen, dass die Qualifizierungskette Lehrling – Geselle – Meister – Ausbilder auch künftig funktionieren wird: Aktuell 80,5 Prozent der Absolventen bekunden danach, künftig selbst Nachwuchs ausbilden zu wollen.

Auch bei zulassungsfreien Berufen wird auf den Meister gesetzt


284 erfolgreiche Prüfungsteilnehmer machten ihren Abschluss im Ausbauhandwerk, 223 im Kraftfahrzeuggewerbe, 184 in der Branchengruppe personenbezogene Dienstleistungen (unter anderem Friseure), 128 in einem Metall- und Elektroberuf und 96 im Gesundheitsgewerbe (Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Orthopädieschuhmacher, Orthopädietechniker und Zahntechniker).

Bemerkenswert: Auch in den sogenannten zulassungsfreien Handwerken, in denen der Meistertitel für eine selbstständige Gewerbeausübung freiwillig ist, wie Maßschneider, Raumausstatter oder Gebäudereiniger, stiegen die Absolventenzahlen auf 67 an.

Nicht ganz zufrieden zeigte sich Ehlert dagegen mit der Entwicklung bei den weiblichen Meisterabsolventen. Deren Anteil kletterte zwar ebenfalls leicht von 21,7 auf 21,8 Prozent. „Wir haben in den vergangenen Jahren mit visuellen und interaktiven Kampagnen intensiv um diese wichtigste unausgeschöpfte Zielgruppe geworben, wollen die typischen Männer- und Frauendomänen überwinden und den Anteil der Jungmeisterinnen und der Gründerinnen auf 30 Prozent erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, wäre eine stärkere Dynamik nötig, auf Basis einer gesellschaftswirksamen Kampagne mit gezielter Förderung und curricularer Flankierung an den Schulen“, nahm Ehlert die Politik in die Pflicht.

Ein Meisterschüler kommt aus Argentinien.

Der Meistertitel bleibt im Übrigen ein weltweit begehrter Titel: 83 Jungmeister sind ausländischer Herkunft; darunter 29 Frauen. Die „internationalen Meister“ kommen aus der Türkei (32) und weiteren 20 Staaten, darunter die Herkunftsländer Iran und Irak; aber auch ein Argentinier und ein Meisterschüler aus den vereinigten arabischen Emiraten haben den global hochrespektierten Abschluss erworben.

Im Kammerbezirk selbst stechen diese Regionen durch besonders zahlreichen Meisternachwuchs hervor: die Kreise Mettmann (88) und Neuss (73), Düsseldorf (72), die Kreise Wesel und Viersen (je 65) sowie Duisburg (55), Essen (46) und Wuppertal (35).

Mehr als 9000 Betriebe suchen qualifizierte Nachfolger.

“Unser Land darf sich auf einen neuen Meisterjahrgang freuen, der führen, Menschen ausbilden und beschäftigen und sich am Markt beweisen will. Eine herausragende Chance dazu bieten die mehr als 9000 Betriebe, die in den kommenden Jahren qualifizierte Nachfolger suchen. Wir wollen deshalb möglichst viele Jungmeister für die Option der Selbstständigkeit und Betriebsnachfolge aufschließen und den Gründungsschritt informatorisch und digital noch weiter vereinfachen“, kündigte Ehlert an.

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