Fotoausstellung „Fotografinnen an der Front“ im Kunstpalast Düsseldorf

Kultur am Rhein:Fotoausstellung „Fotografinnen an der Front“ im Kunstpalast Düsseldorf

Von Christian Herrendorf

Düsseldorf im Frühjahr 2019: Im Kunstpalast am Ehrenhof herrscht gepflegter Andrang und großes Interesse an einer Fotoausstellung. Darin sind allerdings nicht Werke von Andreas Gursky, Candida Höfer oder einem anderen Publikumsanzieher zu sehen, sondern die Arbeiten von acht Fotografinnen, deren Namen bisher nur Insidern bekannt waren und deren Bilder Hirn und Herz reichlich fordern. Es sind Front-Aufnahmen, Fotos aus Kriegsgebieten, die den Betrachter letztlich zu der Erkenntnis bringen, dass sich die Menschheit in den zurückliegenden 80 Jahren zwar technisch enorm entwickelt hat, in den entscheidenden Fragen aber kaum oder gar nicht vorangekommen ist.

Erfreuliche Szenen wie der beschriebene Andrang könnten zum Dauerzustand werden, denn die schon lange so genannte Fotostadt Düsseldorf ist bald auch eine. Der Kunstpalast hat im Dezember mehr als 3000 Fotografien aus der Bestandssammlung der Berliner Galerie Kicken gekauft und geschenkt bekommen. Deren Gesamtwert schätzen Experten auf einen Betrag im niedrigen zweistelligen Bereich. Die Sammlung geht zurück bis in die Anfänge der Fotografie im 19. Jahrhundert und enthält unter anderem Arbeiten von Man Ray, Helmut Newton und Robert Capa. Rudolf Kicken hat die Bedeutung des Mediums Foto schon in den Siebzigern erkannt und mit seiner Frau Annette Werke gekauft, die zusammen heute als eine der wichtigsten Sammlungen in Europa gelten.

Kunstpalast-Direktor Felix Krämer geht mit diesem neuen Schatz nicht den einfachen Weg. Trotz der Bedeutung von Instagram und dem Wissen um die Vorlieben moderner Städtetouristen wird er nicht einfach eine Fotoabteilung in die Dauerausstellung einbauen. Es soll 2020 zunächst eine Schau geben, in der eine Auswahl der erworbenen Werke verdeutlichen und erläutern, was nun dauerhaft in Düsseldorf beheimatet ist. Anschließend werden die Fotografien in der Dauerausstellung mit Werken aller Gattungen präsentiert und verbunden, also an vielen Stellen im Kunstpalast zu finden sein.

Damit wird die entscheidende Veränderung klar: Bisher war Düsseldorf eine Fotostadt in Werken, aber nicht in Orten. Diesen Ruf verdankt sie ganz wesentlich Bernd und Hilla Becher. Die beiden haben mit ihren Bildern von Industriegebäuden und -anlagen (Stichwort Neue Sachlichkeit) einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass sich Fotografie als Kunstform etabliert. Und sie haben als Lehrende an der hiesigen Kunstakademie eine Gruppe von Schülern ausgebildet, die es zu Weltruhm und erstaunlichen Verkaufspreisen gebracht haben. Dazu zählen die schon erwähnten Künstler Gursky und Höfer ebenso wie Thomas Struth, Thomas Ruff und Axel Hütte.

Es gibt nun also den Geist, die Werke und mindestens einen Ort. Mindestens, weil die Stadt nach dem ankündigten Abschied von NRW-Forum-Chef Alain Bieber diskutieren muss, was sie mit diesem Teil des Ehrenhofs macht: Wird er Teil des Kunstpalastes (zum Beispiel für jüngere Kunst) oder kehrt sie zu den Zeiten der Fotoausstellungen zurück, wie sie Werner Lippert und Petra Wenzel dort kreiert haben?

So oder so, eines fehlt der Fotostadt Düsseldorf noch: eine nächste Generation von Fotokünstlern. Damit Düsseldorf sich nicht irgendwann nur noch mit der glorreichen Vergangenheit beschäftigt, sondern weiterhin frische Impulse erhält. Das Publikum dafür ist bereit.