Open Source Festival Congress auf der Düsseldorfer Galopprennbahn

Kultur am Rhein:Open Source Festival Congress auf der Düsseldorfer Galopprennbahn

Von Jan Wiefels 

Wahrscheinlich kennt jeder diesen Moment aus der Schulzeit: Das Wetter ist hervorragend, die Stimmung im Klassenraum allerdings das genaue Gegenteil. Dann kommt die Bitte an den Lehrer, doch ausnahmsweise den Unterricht nach draußen zu verlegen. Und wenn der Lehrer guter Dinge war, tat er das zur Freude der Schüler tatsächlich. Ungefähr so fühlt es sich an, wenn man den Open Source Festival Congress (OSFC) besucht. Nur mit dem Unterschied, dass das Gelände auf der Düsseldorfer Galopprennbahn mehr hermacht als der durchschnittliche Schulhof und dass die Redner spannendere Geschichten zu erzählen haben als die meisten Lehrer nach der sechsten Stunde.

Nach der Premiere im vergangenen Jahr steht am 12. Juli 2019 nun die zweite Ausgabe des OSFC an - als Ableger des Musikfestivals, das einen Tag später an derselben Stelle stattfindet. Von der Infrastruktur des Festivals profitiert der Kongress: Bühnen, Technik, Getränke- und Essenstände - alles ist schon da. Und so sitzen Besucher zum Beispiel auf der historischen Rennbahn-Tribüne und verfolgen einen Vortrag, während über ihnen die Schwalben zu ihren Nestern fliegen und im Hintergrund Golfspieler über den Platz ziehen.

Der Open-Air-Charakter ist das Alleinstellungsmerkmal des Kongresses, sagt OSFC-Projektleiterin Alicia Holthausen. Sie hofft, dass im Juli wie bei der Erstausgabe 500 Besucher kommen werden. Der erste Satz vergünstigter Tickets ist bereits verkauft - obwohl noch kein einziger Redner mitgeteilt wurde. Ab Mitte März sollen die ersten Namen bekannt gegeben werden.

Bei der Premiere 2018 war Philosoph und Autor Richard David Precht der wohl bekannteste Redner. Hinzu kamen so unterschiedliche Speaker wie der US-Amerikaner Mykki Blanco, der Rapper und Transgender-Aktivist ist, und der Niederländer Peter Verstrate, der mit seinem Unternehmen künstliches Fleisch kultiviert. „Wir wollen kreative und innovative Leute“, sagt Alicia Holthausen. Dafür holen sich die Macher Inspirationen bei anderen Konferenzen. Ein Vorbild für den OSFC gebe es in dieser Hinsicht nicht. Eine positive Referenz sei aber „The Conference“ im schwedischen Malmö.

Der Mix aus bekannten und weniger bekannten Rednern mit unterschiedlichen Hintergründen soll auch beim diesjährigen Kongress beibehalten werden. Statt eines einzelnen Oberthemas sind mehrere Schwerpunkte geplant. Dazu zählen die Zukunft der Arbeit, Communities, Digitalisierung, urbane Entwicklung und Nachhaltigkeit. Die Besucher sollen idealerweise auf dem Kongress Redner entdecken und auf Themen stoßen, die sie interessant finden, aber noch nicht kannten.

Dies begünstigt der Ort Galopprennbahn. Da es keine Räume gibt, können Besucher leichter zu einem bereits begonnenen Vortrag hinzukommen. Und auch zu Veranschaulichungszwecken kann das Gelände helfen: Als Magdalena Witty und Benedikt Ummen von ihrer Reise in einem Elektroauto von der Schweiz bis nach Zentralasien berichteten, stand ihr Fahrzeug nahe der Bühne.

So schön der Ort Galopprennbahn sein mag: Er stellt auch ein Risiko dar. Sollte es regnen, könnte es für die Besucher unangenehmer werden als bei der Erstausgabe 2018 bei perfektem Sommerwetter. „Wir wären auf Regen vorbereitet“, sagt Alicia Holthausen, „anders als bei Musikfestivals können alle Flächen kurzfristig überdacht werden.“

Nach der überwiegenden positiven Rückmeldung von Besuchern im vergangenen Jahr soll der Kongress nur leicht verändert werden. So sollen den Teilnehmern mehr Möglichkeiten zum Kennenlernen und Austauschen gegeben werden. Und auch das Ende der Veranstaltung wird etwas nach vorne gezogen: Weil am Abend die Aufnahmefähigkeit nicht mehr ganz so hoch ist, soll bereits um 21 Uhr statt um 22 Uhr Schluss sein.

Karten für den Open Source Festival Congress am 12. Juli kosten regulär 175 Euro. Wer auch das Musikfestival am Folgetag besuchen möchte, zahlt 195 Euro. Zum Vergleich: Ein Standard-Ticket für die dreitägige Internet-Konferenz Republica in Berlin kostet 220 Euro. Die Veranstalter zählten dort vergangenes Jahr 10 000 Besucher.