Waldbühnenkonzert der Berliner Philharmoniker in Düsseldorf

Kultur am Rhein:Waldbühnenkonzert der Berliner Philharmoniker in Düsseldorf

Von Christian Oscar Gazsi Laki

Klassische Musik unterm Sternenzelt, bei sommerlichen Temperaturen, bei einem lauen Lüftchen, wenn der Wettergott mitspielt. Diesen Zauber versprechen traditionell am Ende der Saison die Waldbühnenkonzerte der Berliner Philharmoniker, die eine ausgesprochen charmante und populäre Sonderstellung im jährlichen Turnus des Weltklasseorchesters haben. Das eigens für diese besonderen Abende zusammengestellte Programm verzaubert stets mit einer exquisiten Mischung. Dieses Jahr gibt es das Programm dieses Konzertes aber nicht nur unter dem Firmament der Berliner Luft – das gleichnamige Stückchen von Paul Lincke wird stets als Zugabe gegeben – sondern auch unter dem Sternenhimmel der Tonhalle in Düsseldorf zu erleben.

Somit passt das Open-Air-Programm der Berliner, wenngleich die Tonhalle nun leider doch nicht Open-Air-Erlebnisse bieten kann, doch trefflichst in das Planetarium der Musik. Aber der Verzicht auf ein Lüftchen und den speziellen Charme der Waldbühne ist auch das einzige, was das Düsseldorfer Konzert von dem Berliner unterscheiden wird. Und vielleicht der nicht zu unterschätzende Vorteil, dass in der Tonhalle der Himmel stets blau bleibt, die Bestuhlung dann doch etwas komfortabler ist, und die Gefahr eines plötzlich aufziehenden Sturmes, wenn dann nur musikalischer Natur sein kann. Und euphorisierende musikalische Stürme sind zweifelsohne von den Berliner Philharmonikern zu erwarten, insbesondere bei diesem expressiven Programm mit Prokofjew und Ravel.

Das Programm ist identisch, die Philharmoniker spielen auf Einladung von Heinersdorff unter der Leitung von Tugan Sokhiev, und Mezzosopran Marianne Crébassa verführt mit ihrer Stimme in die orientalisierende Welt von Ravels Shéhérazade. Ein lustvolles, berührend sinnliches Werk, das einen wunderbaren Kontrast zu der düster nebligen Klangwelt Prokofjews bildet, die gerne an dunkle russische Wälder erinnert und dennoch so betörend sein kann, wie ein Sommermorgen auf einer Datscha. Doch die beiden Werke, die Sokhiev von dem russischen Komponisten ausgesucht hat, verströmen eine nicht zu vernachlässigende Dramatik. Zunächst die Suite aus der Filmmusik Leutnant Kijé op. 60.

Doch den eigentlichen Höhepunkt dieses Abends bildet eine vom Dirigenten zusammengestellte Suite aus der Ballettmusik op. 64 zu „Romeo und Julia“ von Prokofjew. Diese Musik birgt so viel Leidenschaft in sich, atmet aber zeitgleich den ganz eigenwilligen kompositorischen Duktus des russischen Meisters, der so gekonnt mit Melodien, ungewöhnlichen harmonischen Wendungen und großer theatralischer Geste spielt. Weltbekannt daraus dürfte wohl „Montague und Capulet“ auch genannt der „Tanz der Ritter“ sein. Ein kraftvoller, stolzer, zeitgleich düster gefärbter Tanz, unterbrochen vom lyrisch, ja anmutigen Tanz der Damen. Natürlich darf man sich auch auf Zugaben freuen.

Konzert am 26. Juni um 20 Uhr in der Tonhalle Düsseldorf (Ehrenhof). Karten und weitere Informationen unter http://www.heinersdorff-konzerte.de

Stadtwerke Düsseldorf