Düsseldorfer Meisterfeier: Tischler Nils Katzmarski

Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf:Düsseldorfer Meisterfeier: Tischler Nils Katzmarski

Schon früh entdeckte Jahresbestmeister Nils Katzmarski seinen Werkstoff. Zum Tischlerberuf kam er aber über zahlreiche Umwege.

Holz ist seine Leidenschaft, ja, fast so etwas wie sein Lebensthema. Kindheit und Jugend von Nils Katzmarski, geboren 1984 in Gelsenkirchen, waren geprägt von seinem Großvater, der Holzgroßhändler war und mit dem er viel Zeit beim Fischen oder Pilze sammeln im Wald verbrachte. Zudem von seiner Mutter, die kunsthandwerkliche Sperrholzarbeiten angefertigt und mit Erfolg verkauft hat. Er war aktives Mitglied bei den Pfadfindern und hat seine Freizeit am liebsten im Freien verbracht. Als Nils neun Jahre alt war schenkte ihm sein Großvater sein erstes Taschenmesser, mit dem er Pfeil und Bogen und kleine Boote schnitzte oder Stöcke anspitzte. Im Laufe der Jahre entwickelten sich die Schnitz versuche immer weiter. Bis heute trägt er immer ein Taschenmesser bei sich.

Vom Gärtner zum Tischlermeister

Trotz dieser offensichtlichen Affinität zum Werkstoff Holz begann Nils Katzmarski im Jahr 2000 eine Ausbildung als Gärtner (Fachbereich Baumschule); mit dem Arbeitsalltag konnte er sich allerdings nie so recht identifizieren. Daher arbeitete er nach seiner Ausbildung zwar zeitweise als Gartenbauhelfer, verrichtete aber auch Hausmeistertätigkeiten und war zeitweise sogar als Kaufmann in einer IT-Firma beschäftigt. Das Taschenmesser blieb auch während dieser Zeit sein stetiger Begleiter.

Es sollte noch bis 2012 dauern, als er von einem engagierten Tischlermeister, der später auch sein Ausbilder wurde, auf seinen Zugang zum Material Holz angesprochen und darin bestärkt wurde, eine Umschulung zum Tischler anzustreben. 2013 war es dann soweit, und Nils Katzmarski begann im Februar mit großer Freude seine Tischlerausbildung, die er im Januar 2015 als Innungsbester abschloss.

Abwechslungsreich ging es weiter: Schon während der Ausbildung hatte Katzmarski begonnen, nebenberuflich bei einem Möbelrestaurator zuarbeiten. Das erste Arbeitsverhältnis ging er dann bei einem Bootsbauer ein, bei dem er im Umgang mit für Tischler eher unüblichen Materialien wie GFK und Kohlefaser sowie im Bau von geschwungenen und gewölbten Formen geschult wurde. Gleichzeitig reifte in dieser Zeit in ihm die Überzeugung, sich zum Tischlermeister weiterzubilden, um seine fachlichen Kompetenzen und beruflichen Perspektiven noch zu erweitern.

Im Frühling 2017 begann der Tischler mit der Meisterschule an der HWK in Düsseldorf (in Vollzeit). Im Sommer 2018 war es dann geschafft und eine für ihn anstrengende, jedoch sehr lehrreiche Zeit ging zu Ende. Das Meisterprüfungsprojekt war anspruchsvoll und bestand in der Einrichtung und Konzeption eines Krawattenshops mit angegliederter Wohnung. Als eigentliches Meisterstück fertigte Katzmarski einen vom französischen Jugendstil inspirierten Wohnzimmertisch aus Nussbaum. Die Situationsaufgabe im Rahmen der praktischen Prüfung bestand darin, ein handwerklich gefertigtes Sprossenfenster zu bauen.

Dass er gut abgeschnitten hat, schreibt der erfolgreiche Meister der Tatsache zu, „dass ich meinen Beruf liebe und mit großer Begeisterung ausübe, aber auch damit, dass ich diese Gelegenheit sehr ernst genommen habe.“ Außerdem habe er von seinem sehr erfahrenen und anspruchsvollen Ausbilder, aber auch von den guten Dozenten der Meisterschule profitiert. Genauso wichtig für das gute Abschneiden: Die Unterstützung der Familie, allen voran von seiner Ehefrau, aber auch von seinem Vater, der selbst Optikermeister ist. Dass er die Prüfung mit solchem Erfolg bestehen würde, damit habe er aber trotzdem nicht gerechnet, sagt der Gelsenkirchener. 

Berufswahl aus tiefster Überzeugung

Aus seiner eigenen Erfahrung heraus würde Nils Katzmarski in puncto Berufswahl einem jungen Menschen gegenüber die Empfehlung aussprechen, genau das zu machen, was er oder sie aus tiefster Überzeugung machen will – und daran festzuhalten. „Man kann nur in dem wirklich gut werden, was man gerne tut“ ist der Tischlermeister überzeugt. „Es spielt dabei fast keine Rolle, wie ungewöhnlich der Berufswunsch ist.“ Einen Beruf aus rein pragmatischen Gründen zu ergreifen sei der falsche Weg, um glücklich zu werden.

Für sein Handwerk sei es wohl am wesentlichsten, dass man genau und akkurat arbeitet, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und einen guten Zugang zur Mathematik hat, erläutert Katzmarski. Ihm gefällt am Tischlerberuf besonders, „dass ich mit meiner Hände Arbeit und oft auch mit einer ordentlichen Portion Kreativität ein Werk schaffen kann, welches einen praktischen,aber auch ästhetischen und sensorischen Wert hat.“

Seine größte Stärke ist, dass er sehr genau und sorgfältig arbeitet und das Material Holz „versteht“. Einsetzen kann er diese Stärken zurzeit an der Burghofbühne in Dinslaken, wo er Bühnenbilder für die Theaterstücke baut, aber auch Möbel für die Einrichtung des Theaters selbst anfertigt.

Mit seinem derzeitigen Arbeits-Umfeld und den Aufgaben am Theater ist Nils Katzmarski sehr zufrieden; und weil er den Bezug zur handwerklichen Arbeit nicht verlieren möchte („lieber in der Werkstatt mit Holz und Maschinen als im Büro mit Stift und Papier“), hat er nicht vor, einen eigenen Betrieb zu gründen. Auch im Hinblick auf das Tischlerhandwerk insgesamt befürchtet der Meisterabsolvent, dass die handwerkliche Arbeitsweise, die für ihn den großen Reiz an seinem Gewerk ausmacht, nach und nach immer weniger werden wird. Beispielsweise sei CNC-Unterstützung mittlerweile in vielen Betrieben eine überlebenswichtige Voraussetzung, um am Markt bestehen zu können. Den noch werde es immer die Nischen geben, in denen der kreative Handwerker gefragt ist, so Katzmarski, „und nach diesen Nischen werde ich suchen“.

Sein Wissen weitergeben zu können, kann sich der 35-Jährige als sehr befriedigende Aufgabe vorstellen. Und auch neben der Arbeit interessiert ihn alles, was mit dem Thema Holz zu tun hat – wenn er die Zeit dafür hätte, würde er gerne seine gesamte Einrichtung selbst bauen. Das Wichtigste sei für aber natürlich seine Familie und das gemeinsame Leben.

Der Eindruck: Hier spricht offenbar ein Mann, der mit sich und dem, was er tut, vollkommen im Einklang ist.


Die Expertin der HWK informiert zum kaufmännischen Fachwirt.

Welche Chancen bietet die Fortbildung zum kaufmännischen Fachwirt?

Sigrid Lisson: Die Chancen sind vielfältig. Kaufmännische Fachwirte besitzen das Wissen für die mittlere Führungsebene. Kleine und mittlere Betriebe suchen keine akademischen Theoretiker. Der Lehr gang vermittelt Inhalte, die sich sofort im Beruf umsetzen lassen. Zudem ist der Fachwirt genauso viel „wert“ wie der Meister und Bachelor. Der Abschluss befindet sich auf Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens. Das eröffnet neue Perspektiven und ist sicher auch ein gutes Argument in Gehaltsverhandlungen.

Für welche Handwerker ist diese Fortbildung sinnvoll? Wo sind deren Einsatzmöglichkeiten?

Lisson: Die Fortbildung richtet sich insbesondere, aber nicht nur, an Absolventen einer kaufmännischen Ausbildung. Damit wird vor allem den jährlich rund 11.000 Absolventen im Handwerk zum Kaufmann/-frau für Büromanagement, Automobilverkäufer/-innen und Fachverkäufer/-innen ein attraktiver Karriere schritt ermöglicht. Aber auch Meister/-innen und Absolventen mit einem Abschluss als gepr. Fachmann/-frau für kaufm. Betriebsführung HwO sollen von dem neuen Qualifizierungsangebot angesprochen werden. Kaufmännische Fachwirte übernehmen als „rechte Hand“ des Meisters oder des geprüften Betriebswirtes die kaufmännische Leitung eines Unternehmens oder werden für die Leitung einer Filiale eingesetzt. Dazu werden die Teilnehmer befähigt, kaufmännisch-administrative Bereiche von Handwerksbetrieben eigenständig zu führen, Prozesse zu gestalten und zu kontrollieren sowie in diesem Zusammenhang Mitarbeiter zu führen.

Was beinhaltet die Fortbildung und wie läuft diese ganz praktisch ab?

Lisson: Die Fortbildung beinhaltet die Handlungsbereiche: Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen analysieren und fördern, Marketing nach strategischen Vorgaben gestalten, Rechnungswesen, Controlling, Finanzierung, Investitionen und Personalwesen gestalten und Personal führen. Zusätzlich muss die Ausbildereignungsprüfung nachgewiesen werden. Dies kann bereits im Vorfeld oder in einem separaten Kurs geschehen. Wir starten ab 2. September hier in Düsseldorf eine berufsbegleitende Maßnahme. Der Unterricht wird zweimal wöchentlich, dienstags und donnerstags von 17 bis 21 Uhr stattfinden. Die Fortbildung endet am 10. Dezember 2020. Gerne können sich Interessierte morgen an unserem Stand auf der Meisterfeier oder in unserem Infocenter in der Handwerkskammer Düsseldorf beraten lassen.

www.hwk-duesseldorf.de


Glutenfreie Naschereien

Isabella Krätz wurde mit ihrer Düsseldorfer Pâtisserie beim Handwerkspreis ausgezeichnet.

Im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse in München (IHM) verlieh der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken den 7. Handwerkspreis der deutschen Bürgschaftsbanken in Kooperation mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks. Das erfolgreiche Düsseldorfer Unternehmen „Isabella – Glutenfreie Pâtisserie“ konnte sich den dritten Platz sichern.

Zur Geschäftsidee kam Isabella Krätz durch ihre eigenen Leidensgeschichte: Nach langer Ursachen suche für ihre gesundheitlichen Probleme stand die ärztliche Diagnose für sie fest: Zöliakie. Die Gründerin des Unternehmens leidet unter einer Glutenunverträglichkeit und war gezwungen, ihre Ernährung grundlegend umzustellen. Von diesem Moment an entfielen für sie glutenhaltige Lebensmittel – eine gewaltige Einschränkung.

Aus der Not heraus begann Isabella Krätz ihre Brote und Kuchen glutenfrei selbst zu backen und eignete sich so zunehmend Expertise an. Durch eine praktische Prüfung bei der Handwerkskammer erhielt Isabella Krätz eine Sondergenehmigung für die Herstellung und den Verkauf von glutenfreien Backwaren.

Die Unternehmerin fuhr fort, eigene Rezepte für Brote und Torten zu entwickeln und machte sich 2014 mit ihrem ersten Ladenlokal in Düsseldorf-Oberkassel selbstständig. Schnell war klar, dass das klassische Konditorhandwerk gepaart mit einer innovativen Produktidee am Puls der Zeit ist. Aufgrund des hohen Zuspruchs und der rasanten Verbreitung über die sozialen Medien folgten weitere Filialen in Düsseldorf, Aachen, Hamburg und Stuttgart.

Bei dem Drittplatzierten handelt es sich um ein echtes Familienunternehmen: Während Ehemann Christof Krätz für Einkauf und Ladenbau verantwortlich ist, managt Sohn Dominic Krätz Finanzen und Marketing. Im Jahr 2018 übernahm er die elterlichen Anteile des Unternehmens.

Hier unterstützte die Bürgschaftsbank NRW die Unternehmensnachfolge sowie Expansionsmaßnahmen. Dazugehören eine 1.200 Quadratmeter große Backstube in Duisburg, ein digitales Kassensystem, die Eröffnung weiterer Standorte und ein Onlineshop. Letzterer dürfte besonders die Kunden freuen, die zuvor Strecken bis zu 200 Kilometer auf sich nahmen, um in den Genuss der glutenfreien Isabella-Leckereien zu kommen.